7.9.08

Langstreckenläufer

Ich hatte mich ja schon auf den langen Gruppenlauf heute Morgen gefreut und bin auch extra um 5 Uhr aufgestanden, um pünktlich am Start zu sein. Um die Uhrzeit war natürlich kein Verkehr und so erreichte ich tatsächlich um 6 Uhr den Wickham Park. Es war noch stockdunkel und so merkte ich zuerst nicht, dass ich von meinem Schluesselbund den falschen Schluessel abschraubte um ihn zum Laufen mitzunehmen. Das merkte ich erst, als ich mir hinten auf der Ladeklappe meines Pick-ups die Schuhe anzog und den Schlüssel in den Schnürsenkel einfädeln wollte.
Der richtige Schlüssel, der den abgeschlossenen Truck hätte aufschließen können befand sich im Führerhaus.

Was tun?

Ich war 17 Meilen von zu Hause entfernt.
Mein Handy war eingeschlossen, ebenso Geld und alles andere, was mir hätte nützlich sein können.
Jon ist in Texas.
Der Ersatzschlüssel liegt zu Hause.
Ich habe meine Laufsachen an.
Mein Plan sieht einen 17-Meilen-Lauf vor.

Also, was tut der schusselige Langstreckenläufer, der nun endlich seinen Vorteil gegenüber dem Rest der Bevölkerung mal so richtig ausspielen kann?
Lässt natürlich den Gruppenlauf sausen und läuft nach Hause!
Genau das habe ich getan und es war ein wunderbarer Lauf in einen strahlenden Morgen hinein. Unterwegs gab es genug Trinkmöglichkeiten, die Strecke war schön und ich fühlte mich die meiste Zeit gut, war relativ flott unterwegs und hatte genug Ablenkung mit dem Gedanken, wie ich wohl ins Haus kommen würde. Es war herrlich, so laufend die Sonne aufgehen zu sehen und da ich gen Norden lief wurde ich auch nicht geblendet. Ein herrlicher klarer Morgen, wie gemacht für einen langen Lauf.
Natürlich wurde es, als die Sonne höher und höher in den Himmel stieg auch immer wärmer und die Trinkpausen wurden immer zahlreicher. Ich hatte mir schon vorher überlegt, dass ich 16-17 Meilen laufen wollte, denn mein längster Lauf seit der Verletzung war 14 Meilen lang. Da es die meiste Zeit so gut lief und ich am Ende doch relativ plötzlich ganz schön kaputt war hatte ich dann auch nach 16 Meilen keine Skrupel, aufzuhören und den Rest des Weges zu gehen. Ich hatte genug und wollte den schönen Lauf nicht auf Teufel komm raus auf 17 Meilen zwingen. So hörte ich mit dem guten Gefühl auf, den längsten Lauf seit Boston mit gutem Gefühl und in einer doch relativ ordentlichen Zeit bewältigt zu haben.

Insgesamt bin ich 25,76 km in 2:17:50 gelaufen. Das ist ein Schnitt von 5:19/km mit dem ich sehr zufrieden bin.

Und jetzt dürft ihr mal raten, wie ich meinen Truck wieder nach Hause bekommen habe!

Eine ganz andere gute Neuigkeit noch: Jon hat gestern in Texas auch an einem Rennen teilgenommen, genauer gesagt war es der 4-Mile Hot Dog Run. Nicht nur hat er mit großem Abstand gewonnen, sondern auch seine Prognose von 28 Minuten weit unterboten und ist mir 25:30 ins Ziel gekommen. Für 6,4 km finde ich das ganz schön schnell und sagt eine 10-km-Zeit von knapp über 40 Minuten voraus. Damit kann er seinem Team in zwei Wochen beim Air Force Marathon auf jeden Fall gut helfen. Außerdem hoffen wir natürlich auch noch auf kühleres und vor allem trockeneres Wetter, das sich auch noch mal positiv auf unsere Zeiten auswirken sollte.

9 Kommentare:

Blumenmond hat gesagt…

Schön wenn man die Not in was Schönes tauschen kann. Ich hoffe, Du bist mit dem Rad zurück gefahren.

Anonym hat gesagt…

Genau daran dachte ich eben auch. Wie ist sie nur zum Truck zurück gekommen ? Wieder gelaufen? In der Hitze ? Ich traue Dir, im positiven Sinn, vieles zu :-)
Wenn man schon morgens um 5.00 Uhr aufsteht zu einem Lauf....viel zu ..gähn...früh für mich. Und Johns Zeiten..wow. Da werd ich ganz neidisch.

Jasmin... hat gesagt…

Also, ich tippe auch auf Fahrrad-Tour zurück...
Und, wie bist Du ins Haus gekommen?

Kathrin hat gesagt…

Du bist bestimmt irgend so einen Wild River stromaufwärts geschwommen ;o)

Kerstin hat gesagt…

Das wird ja immer besser *hihi*
Schwimmen kann ich doch nicht so gut!

Anonym hat gesagt…

Sie sagt´s uns nicht !
Ich weiß warum !
Sie ist, um noch ein bisschen Training zu haben, zurück zum Truck gerannt und hat diesen dann die paar Meilen zurückgeschoben!
Teilweise nur auf einem Bein und durchs Gelände.
Und war es so ?
:-)

Kerstin hat gesagt…

Martin, genauso hab ichs gemacht. "Gelaende" bedeutet Urwald und/oder Privatbesitz, also musste ich besonders schnell schieben, um den wuetenden Privatbesitzern zu entkommen...

Nene, ihr hattet schon Recht mit der Radtour. Aber erst nach ausgiebigem Ausruhen und Mittagessen. Danach hat es sogar wieder richtig Spass gemacht und ich waere sogar gerne noch laenger gefahren. Aber ich musste ja auf dem Rueckweg noch Eis kaufen.

Pienznaeschen hat gesagt…

Klasse!!! Es ist ein tolles Gefühl wenn man im Hinterkopf weiß solche Strecke gut laufen zu können und nicht wie X andere Menschen dann völlig aufgeschmissen vor dem verschlossenen Auto zu stehen, gell?

P.S. Ich wäre bei der Entfernung definitiv aufgeschmissen gewesen ;)

Kerstin hat gesagt…

Ach, Pienznaeschen, aufgeschmissen glaube ich noch nicht mal.
Bevor ich mit dem Laufen angefangen habe waere ich - mit genug Zeit - die Strecke zu Fuss gegangen. Das haette dann zwar den ganzen Tag gedauert, aber geschafft haette ich es auch. Ich war schon immer recht gut zu Fuss, aber du wuerdest das auch schaffen.

Ich fand nur den Zufall ganz lustig, dass ich sowieso 16-17 Meilen laufen wollte und dann auch noch genauso weit entfernt war.