2.9.08

Human Race 10k

Ich war dann doch mutig (oder verzweifelt?) genug, Sonntag Morgen um vier aufzustehen und nach Orlando zu fahren. Diesmal konnte Jon nicht mitkommen, aber ich war wunderbar vorbereitet. Wer schleppt schon sonst für eine höchstens halbtägige Tour VIER Paar Schuhe mit? Ich habe sie alle getragen: Sandalen auf der Hinfahrt, Brooks Adrenaline 8 während des ersten Teils des Laufes, die leichteren Mizuno Wave Inspire 3 für das Human Race 10k und für die Post-Race-Aktivities schließlich ein Paar Flip-Flops.
Ein Rennen in den langen Lauf zu integrieren finde ich doch sehr motivierend und da habe ich auch die Pausen zwischen den ersten 11 km, dem Auf- und Abwärmen für den 10er und das Human Race selber in Kauf genommen.
Im ersten Teil habe ich wieder meine 2-km-Runden um die Mall of Millennia gedreht, was zum Vorteil hat dass ich immer wieder am Auto vorbeikam, wo ich einen Wasserkanister und Becher hatte. Ich konnte also zwischendurch den übermäßigen Wasserverlust wenigstens ein bisschen eindämmen.

Der 10er selbst war umsonst, aber dafür auch ohne Zeitnahme. Trotzdem besser als alleine zu laufen, dachte ich mir. Ich hatte nicht mit dem Andrang gerechnet und dass er größtenteils auf einem schmalen Fußweg rund um einen kleinen See stattfinden sollte. Dieser Weg war eine Meile lang und es mussten fünf Runden gelaufen werden. Zusammen mit je einer halben Meile Hin- und Rückweg zur Mall ergibt das 10 km.
Aus Rücksicht auf den 5er vom Vortag, die bereits gelaufene Strecke an diesem Morgen und meine nicht wirklich ausreichende Speedwork war mein einziges Ziel, unter 50 Minuten zu bleiben. Ich hatte Jon erzählt, dass ich jederzeit unter 50 Minuten laufen könnte und das wollte ich nun beweisen.
Ich stellte mich weit vorne auf und fand auch praktischerweise direkt nach dem Startschuss eine Läuferin, die etwas schneller als mein geplantes Tempo lief. Ich hängte mich also einfach mal hinten dran um zu sehen wie lange ich mithalten konnte.
Ziemlich direkt nach der ersten Runde um den See fingen wir dann auch mit dem Überholen an. Zuerst waren es nur vereinzelte Walker, doch bald auch immer mehr Läufer, in immer größeren Gruppen. Meine Vorläuferin hielt den Weg frei, indem sie immer wieder "on your left" rief. Ich kam mir schon irgendwie blöd vor, die ganze Zeit hinter ihr her zu rennen, aber an Überholen war nicht zu denken. Also weiter.
Nach etwas über der Hälfte der Strecke schließlich traf ich den Entschluss, sie ziehen zu lassen. Wäre es um ein "richtiges" Rennen gegangen und hätte ich nicht schon sieben Meilen in den Beinen gehabt wäre ich mitgegangen, aber ich wollte mich auch nicht kaputt machen und meine Motivation ließ merklich nach.
Gut war, dass es aufgrund des Rundkurses nach jeder Meile Wasser gab. Nicht so gut war, dass die Startnummer als Nike-Werbegag auf das - natürlich auch kostenlose T-Shirt - aufgedruckt war. Das Shirt selber was zwar sehr gut geschnitten, leicht und luftig, aber für Florida immer noch zu warm. Als ich sah, dass einige Frauen es schon ausgezogen hatten und zu einem Ball gerollt in der Hand trugen machte ich das Gleiche. Schon besser! Ich wurde trotzdem immer langsamer und war heilfroh, als die letzte Runde geschafft war und ich nur noch zurück zum Ziel laufen musste. Fürs Foto hielt ich mir im Ziel das Shirt vor die Brust, damit die Nummer zu sehen war.
Selbstgestoppte 47:30 hatte ich gebraucht, also hatte ich doch Recht gehabt. Sub 50 geht immer, auch wenn ich mich dafür ganz schön anstrengen musste.
Dafür warteten im veranstaltenden Laden nun aber Erfrischungen: Wieder völlig kostenlos gab es Wasser, Saft, ein Sportgetränk, Bagels mit Frischkäse und Kuchen. Außerdem Massagen für die müden Beine und eine Verlosung, bei der ich ein Paar schwarze Männersocken gewann. Niemand in Amerika trägt zum Laufen schwarze Socken (außer mir und meiner Kompressionsstrümpfe). Ich nehme an, dass das Geschäft seine Ladenhüter loswerden wollte. Aber Jon kann die Dinger in seinen Stiefeln anziehen und damit sind alle zufrieden.
Auf der Rückfahrt war ich dann doch sehr froh, den ganzen Lauf hinter mir zu haben und kein zu arges Gestückel veranstalten zu müssen. So konnte ich mich den Rest des Tages entspannen und nur noch am Abend Jon beim Laufen auf dem Fahrrad begleiten.

Während ich nun auf Hanna warte, meinen ersten Hurricane, der in der Nacht von Donnerstag auf Freitag hier durchziehen soll, fange ich doch schon mal mit der ersten Woche des Marathon-Trainingsplans an. Die ersten zwei Läufe waren schon mal sehr erfreulich und ich merke auch, dass mir die schnelleren Rennen des Wochenendes dabei helfen, wieder in die Nähe meines Vor-Boston-Tempos zu finden. Es macht doch einfach mehr Spaß, flotter zu laufen und es wird auch immer leichter. Ich bin jedenfalls zufrieden, wie sich meine Lauferei im Moment entwickelt und gespannt auf den Air Force Halbmarathon in Ohio im September. Unter 1:30 werde ich wohl nicht laufen können, aber wenn das Wetter mitspielt hoffe ich doch unter 1:40 oder am liebsten unter 1:35 zu bleiben. Mal sehen wie das wird.
Je nachdem was Hanna von Florida übrig lässt würde ich gerne am Samstag auch wieder einen 5er laufen, aber da müssen wir erstmal sehen ob hier am Wochenende überhaupt irgendwas stattfindet.

Im August bin ich insgesamt 237 Meilen oder 381 km gelaufen, 150 Meilen oder 241 km mit dem Rad gefahren und rekordverdächtige 3 Meilen oder 4,75 km geschwommen.

6 Kommentare:

Die Erleberin hat gesagt…

Hi Kerstin,

cooler Bericht von der Atmosphäre bei einem "Human Race". Hätte da ja trotz gewisser Vorbehalte gegen den Veranstalter auch gern dran teilgenommen, aber soviel ich weiß, gab's in Good Old Germany nur in München eine Veranstaltung, und das ist mir für 'nen 10er nun doch entschieden zu weit und für bloß ein wenig Gaudi auch etwas zu teuer. Naja, hab's ja nun aus erster Hand berichtet bekommen ;-)
Dass du unter 50 schaffen würdest, habe ich natürlich keine Sekunge bezweifelt. Und zum Thema HM: lass' mal gegenseitig gucken, ob wir die künftig konstant sub 1:35 abreißen können. Mir wär' zwar 1:30 natürlich lieber, aber bin ja diese Woche schonmal gescheitert ;-)

Drüücke die Daumen für den Air Force Run!

Kerstin hat gesagt…

Naja, die richtig offiziellen Human Race 10Ks sind wohl auch anders abgelaufen, aber das war ebenfalls zu weit weg. Ich fand es aber auch so ganz nett.

Die HM-Idee kann ich nur begruessen! Ich muss nur dazu sagen, dass ich noch nie schneller als 1:34 gelaufen bin. Mal sehen, was da geht.

Jasmin... hat gesagt…

Liebe Kerstin,
ich drücke ganz doll die Daumen, dass Hanna glimpflich abgeht und denke an Dich! Lass bitte möglichst schnell ein Lebenszeichen von Dir hören, sobald der Sturm annähernd vorüber ist, denn auch wenn man sich nur virtuell kennt, mache ich mir ja doch Sorgen...
Alle Gute und haltet die Ohren steif!
Liebe Grüße
Jassi

Pienznaeschen hat gesagt…

Wahsinn diese Kilometerzahlen!! Weißt Du was mich tierisch freut, das Du so positiv motiviert in die Zukunft schaust, das steckt an und macht einfach nur Spaß Deinen Weg mit zu verfolgen:)

Toi, toi, toi für oder eher gegen Hanna!

Kerstin hat gesagt…

Danke fürs Daumendrücken!
Im Moment sieht es so aus, als würde Hanna weit genug von uns weg übers Meer ziehen und nur Sturm und Regen bringen.

Beim Laufen spielt sich viel im Kopf ab. Ohne positive Einstellung und die feste Überzeugung, dass ich meine Ziele erreichen kann wäre nicht so schnell so weit gekommen.

Kerstin hat gesagt…

Ach ja, wenn es hart wird und Zweifel kommen hilft es mir zu sagen: Ich habe es bis nach Santiago geschafft, dann schaffe ich auch alles andere. Diese 140tägige Wanderung hat mir das Selbstvertrauen gegeben das nötig ist, alle Ziele zu erreichen. Ich weiß, dass ich es kann.