9.12.08

Race Preparation - 6 Wochen bis zum Marathon

Das war die letzte Woche in Zahlen.

Montag Morgen: Regenerationslauf 6 Meilen - 1600m Schwimmen - Indoor
Montag Abend: Regenerationslauf 4 Meilen - 11.36km in 1:03:09 - Outdoor
Dienstag: VO2max 9 Meilen mit 5x600m @ 5k Renntempo, 90 sec. Trabpause - 14.53 km in 1:09:33 - Outdoor
Mittwoch Morgen: Mittellanger Lauf 15 Meilen - 24.29 km in 2:05:46 - Outdoor mit Jon auf dem Rad
Mittwoch Abend: Regenerationslauf 4 Meilen - 5.09 km in 30:00 - Outdoor
Donnerstag: Regeneration und Speed 7 Meilen mit 6x100m Steigerungen - 11.91 km in 1:04:35 - Outdoor
Freitag: Regenerationslauf 6 Meilen - 19.42 km in 1:37:33 - Indoor
Samstag: 8-15k Rennen - 11.28 km in 1:03:36 - Outdoor
Sonntag: Langer Lauf 18 Meilen - 12.71 km in 1:02:35 + 16.41 km in 1:20:47 - Outdoor


Insgesamt ist es ziemlich gut gelaufen, ich kann mich wirklich nicht beklagen. Die Regenerationslaeufe habe ich wie man sieht teilweise gekuerzt oder durch Schwimmen ersetzt. Ausserdem bin ich ziemlich viel geritten und auch wenn einige jetzt vielleicht lachen werden - Reiten ist eine ziemlich gute Ergaenzung zum Laufen. Natuerlich kann ein Ausritt keinen langen Lauf ersetzen, aber zur Regeneration ist es hervorragend geeignet. Man bewegt sich an der frischen Luft, es ist nicht anstrengend, aber das Geholper und Geschaukel ist gut fuer die mueden Laeuferbeine, laesst das Blut zirkulieren und lockert die steifen Muskeln fast so gut wie eine Massage. Dazu kommt noch der mentale Aspekt der Sache. Im Trab ist mein Pferd in etwa so schnell wie ich und wir haben auch eine aehnliche Schrittlaenge. So habe ich das Lauf- und Tempogefuehl wesentlich besser als beim Radfahren oder Schwimmen. Beim sog. Leichttraben stehe ich bei jedem Schritt im Sattel auf und setze mich wieder hin, also noch mal zusaetzliche schonende Bewegung.
Ausserdem macht es irre Spass und ich ueberlege mal wieder, bei einem Distanzritt mitzumachen. Mal schauen, wie das wird.

Beim Laufen scheint mein Trainingsprogramm immer mehr zusammen zu kommen. Ich komme mir manchmal furchtbar langsam vor, aber im Prinzip schaffe ich doch alle vorgegebenen Geschwindigkeiten. Heute war das dritte Intervalltraining, 6x1000m im 5km-Renntempo, das ich wegen heftigen Windes und weil es praeziser ist, auf dem Laufband durchgefuehrt habe. Alle sechs Wiederholungen waren klasse und ich konnte mich mit jeder noch steigern. Es hat richtig Spass gemacht, ich war stolz auf meine Leistung und meine Beine scheinen sich endlich wieder an das alte Tempo zu erinnern.
Vielleicht setze ich den naechsten Marathon aus und konzentriere mich statt dessen mal so richtig auf die 5-km-Distanz. Ich brauch mal wieder den Geschwindigkeitsrausch!

Der Knieschmerz ist vergessen. Nur wenn ich mich direkt auf die Stelle kniee bekomme ich noch eine schwache Erinnerung. Keine Ahnung, was das nun gewesen ist. Dafuer spielt diesmal die rechte Huefte nicht so 100% mit und ich merke sie seit heute Morgen beim Gehen. Zum Glueck hat sie dann aber am Nachmittag beim Laufen Ruhe gegeben und ich konnte mein Intervalltraining ungestoert durchziehen.

Wir haben am Samstag bei einem 5-km-Lauf geholfen und da habe ich eine kostenlose Untersuchung beim Chiropraktiker bekommen. Den Termin hatte ich auch heute, naechste Woche ist die Auswertung und dann weiss ich vielleicht mehr, wo meine ganzen Wehwehchen staendig herkommen. Meine Wirbelsaeule scheint schon mal viel zu viel Aktivitaet in den Muskeln aufzuweisen. Keine Ahnung, was das bedeutet, aber das werde ich hoffentlich naechste Woche erfahren.

Ich bin wieder etwas zuversichtlicher, auch wenn ich selbst an einen 3:15 Marathon irgendwie nicht mehr so richtig glaube. Ob das jetzt Kopfsache ist oder Realismus weiss ich auch nicht so genau. Jedenfalls wird es sicher ein tolles Rennen und eine schoene Reise nach Arizona. Ist jetzt gar nicht mehr so lange hin. Ich bin mal gespannt!

7.12.08

Zum Stall laufen

Ich geb's zu: Ich hab mal wieder gemogelt bei meinem langen Lauf heute.
Aber das hatte einen guten Grund. Wir sind naemlich mit den Pferden zum Meer gefahren (Bericht und Fotos HIER klicken) und haben einen herrlichen Strandritt gemacht. Da wollte ich nicht unbedingt hinterher noch die vollen 18 Meilen auf einmal laufen.
Also bin ich morgens frueh einfach die acht Meilen (12,7 km) zum Stall gelaufen. Trotz Gegenwind war das wunderbar und ich war dann auch tatsaechlich puenktlich um 8 da. Jon ist mit dem Auto gefahren und hatte meine Reitsachen dabei.
Der Lauf ging langsam los und wurde nach und nach immer schneller. Wenn schon mogeln, so wollte ich doch wenigstens ein ordentliches Tempo laufen, was mir auch gelungen ist. Eine Stunde, zwei Minuten und 35 Sekunden sind schon ganz in Ordnung fuer so einen Lauf, vor allem wenn man bedenkt, dass ich fuer die ersten 3,22 km fast 17 Minuten gebraucht habe.

Dann Pferde verladen, eine Stunde Fahrt zum einzigen Strandabschnitt, an dem Reiten erlaubt ist.

Das war natuerlich der absolute Hoehepunkt des Tages und mein erster Strandritt auf dieser Seite des Atlantiks.

In der Hochstimmung, nach furchtbar viel frischer Luft und einem nahrhaften Mittagessen - Chili in einer Brotschuessel - waren die restlichen zehn Meilen (16.4 Meilen) zu laufen natuerlich ein "Klacks" und in 1:20:47 geschafft. Meist auch noch Rueckenwind und wieder schoen progressiv, langsam angefangen und immer schneller geworden. Hier mal die 2-Meilen-Splits:

3.22 km in 16:50 (5:14/km)
3.22 km in 16:23 (5:05/km)
3.22 km in 15:53 (4:56/km)
3.22 km in 15:29 (4:48/km)
2.57 km in 11:51 (4:36/km)
0.97 km in 4:18 (4:27/km)

Bei kuehlen, trockenen Wetter und Sonnenschein ein wunderschoener Tag, ein herrlicher Strandritt und zwei gute Laeufe, beide im 4:55er Schnitt. Da darf man schon mal ein bisschen mogeln! Fuers Gemuet war es jedenfalls schon mal richtig gut, und das zaehlt ja auch ein bisschen mit.

5.12.08

Die neue Langsamkeit

Habe ich nun endlich raus, warum ich in letzter Zeit staendig verletzt war?
War der Space Coast Marathon doch zu was gut?

Keinerlei Muskelkater oder sonstige Wehwehchen am Tag nach dem Marathon, das finde ich schon mal sehr positiv. Dafuer eine Stunde laufen am Abend und zwar so richtig schoen langsam und mit Genuss bei herrlich kuehlen, trockenem Wetter, Sonnenuntergang und kaum Wind in neuen Schuhen. Herrlich!
Recovery Runs, Regenerationslaeufe, werden solche Unternehmungen bei Pfitzinger genannt und haben nur eines im Sinn: Mir bei der Regeneration und Erholung von harten, schnellen, langen Trainingseinheiten zu helfen. Das Tempo ist dabei nicht nur nebensaechlich, es ist vollkommen egal.

Nun bin ich ja recht ehrgeizig und konnte es die ganze Zeit nicht ertragen, mich ueberhaupt laufend unter einer gewissen Pace zu bewegen. Ich wusste zwar, wo mein Puls bei solchen Laeufen sein sollte, habe auch versucht das einzuhalten, aber wenn ich dann zu langsam wurde habe ich ihn einfach ignoriert und doch wieder in die Hoehe getrieben. So wurden diese Regenerationlaeufe doch oft ganz schoen anstrengend und tw. auch frustrierend.

Am Tag nach dem Space Coast Marathon habe ich dann aber auch wieder mal gelesen, dass einer der Hauptunterschiede zwischen Elite- und "normalen" Laeufern darin besteht, dass es z.B. den Kenianern mal so absolut nichts ausmacht, im Schneckentempo vor sich hin zu joggen. Am naechsten Tag geht dann aber wieder die Post ab. Oder einen Lauf so langsam zu beginnen, dass sie fast ueber ihre eigenen Fuesse stolpern, dann aber nach und nach immer schneller und schneller werden und einen Endspurt hinlegen, dass man nur noch ihren Staub schlucken kann. "Normale" Laeufer hingegen kennen oft nur ein Tempo, dass sie nur ungern variieren. An leichten Tagen zu schnell, dafuer an harten Tagen nicht genug Kraft um richtig schnell zu sein und den gewuenschten Trainingseffekt zu erzielen.
Eigentlich war das keine wirkliche Neuigkeit fuer mich, aber am Tag nach einem missglueckten Trainingsmarathon bin ich fuer solche Botschaften wohl doch empfaenglicher als sonst.

Also diesmal nur nach Puls. Und zwar am Anfang an der unteren Grenzen, nach einer Viertelstunde etwas hoeher, dann im mittleren Bereich und die letzte Viertelstunde dann doch zur Belohnung ein bisschen flotter.
Es war gut. Es war entspannend. Es war genau der Regenerationslauf, den ich brauchte und diesmal hat er seinen Namen auch verdient.

Mittwoch kam die Belohnung fuer so viel Vernunft: Das Intervalltraining, das mir vor zwei Wochen so unerwartet schwer gefallen ist, war einfach klasse und ich habe die fuenf 600er alle locker unter 2:20 geschafft. Es hat Spass gemacht und ich hatte noch genug Luft und Kraft fuer sechs schnelle Kilometer, bei denen ich mich richtig austoben konnte.

Dienstag dann ein mittellanger Lauf mit Jon auf dem Rad. Auch hier wieder die neuen Prinzipien angewandt - obwohl ich das ja bei jedem langen Lauf versuche. Die ersten Meilen langsam und dann immer schneller. Da Jon dabei war, der sich zum gemeinen Sklaventreiber Trainer entwickelt hat, durfte ich nicht anhalten, sondern musste, ausser bei zwei Toilettenpaeuschen am Anfang, die ganze Zeit durchlaufen. Die zweite Haelfte war fast 5 Minuten schneller als die erste und obwohl es mir schon schwergefallen ist bin ich ein gutes Tempo gelaufen. Ich war selber ganz erstaunt wie schnell ich war, denn es kam mir selber ziemlich schneckenmaessig vor. Wahrscheinlich wohl wegen des Intervalltrainings am Vortag.

Nach dem Abendessen musste ich dann doch noch mal fuer eine halbe Stunde raus. Wieder schoen nach Puls und GAAAAANZ langsam. Hat Spass gemacht, war nicht anstrengend und genau die richtige aktive Erholung.

Auch gestern wieder ein langsamer Regenerationslauf am Abend. Mir ist aufgefallen, dass ich direkt nach dem Reiten, wenn ich schoen aufgewaermt aber nicht kaputt bin, am besten laufen kann. Und so war es auch wieder. Dabei kam es dann, dass ich endlich mal sogar schneller als gedacht laufen musste, um ueberhaupt an die untere Grenze meines Pulsbereichs zu gelangen. Das hatte ich auch schon lange nicht mehr. Diesmal hatte ich mir den Piepser angestellt der mich warnte, wenn mein Puls zu hoch oder zu niedrig war und so musste ich nicht staendig auf die Uhr schauen. Am Anfang war es noch etwas muehsam, aber dann lief es immer besser und ich liess meine Gedanken schweifen. Nach etwa der Haelfte der Strecke kam mir eine ueberwaeltigende Erkenntnis. Ich lief locker vor mich hin, eben mal schnell ein Stuendchen vor dem Abendessen. Sieben Meilen (11,26 km) ist ja nicht die Welt.
Aber Halt! Moment mal! Was ich da an einem schoenen windstillen Donnerstag Abend machte und dann auch noch Regenerationslauf nannte wuerden viele Menschen in ihrem ganzen Leben nicht laufen, ja nicht mal zu Fuss zuruecklegen. Manche nicht mal mit dem Rad, Kanu, Pferd oder sonstigen unmotorisierten Verkehrsmittel. Fuer mich war es ein kurzer Regenerationslauf, fuer andere waere die Strecke allein ein scheinbar unueberwindbares Hindernis! Selbst fuer manche/viele (?) Laeufer waere mein langsames Regenerationstempo ein ernsthafter Tempolauf oder sie kaemen von vorneherein nicht mit. Sicher, da gibt es unendlich viele, bei deren langsamen Tempo ICH nicht mitkaeme. Hailes Marathontempo kann ich noch nicht mal auf 400 m laufen. So schnell ist mein Pferd im langsamen Galopp.

Aber trotzdem. Die Erkenntnis, auch nicht wirklich neu, traf mich in dem Moment wie ein Schlag und ich wurde wieder daran erinnert, wie dankbar ich sein kann, dass mir so etwas moeglich ist. Dass ich, wenn auch relativ spaet, ein Talent in mir entdeckt habe. Dass ich einen Sport ausueben kann, der mir Spass macht, in dem ich gut bin, der gesund ist, Koerper und Seele gut tut. Dass ich laufen kann. Dafuer bin ich wirklich dankbar. Solche Erinnerungen und Denkanstoesse brauche ich manchmal, denn oft neige ich ja doch dazu, das alles als selbstverstaendlich anzusehen und mich zu aergern wenn es nicht so klappt wie ich will. Dabei ist das Laufen selber schon ein Geschenk. Schnelle Marathonzeiten sind da ein Tuepfelchen auf dem I, ein Sahnehaeubchen auf dem sowieso schon ausgesprochen leckerem Kuchen. Es ist ja das Laufen selbst, um das es geht.
In dieser Hochstimmung hatte ich nun keine Probleme mehr, meinen Lauf im gewuenschten Bereich zu beenden.

Besonders schoen war es auch noch, als mir Jon entgegen gelaufen kam. Wir trainieren nicht zusammen, da wir unterschiedliche Ziele haben, aber wir gruessten uns freudig ohne stehen zu bleiben. Das war so klasse. Nicht nur ich gehoere zu der oft belaechelten, immer noch kleinen Gruppe der Laeufer ("Sind die auf der Flucht, oder warum haben die es so eilig?" "Die machen das auch noch freiwillig!?"), auch der wichtigste Mensch in meinem Leben ist so ein Verrueckter. Obwohl wir innerhalb von Sekunden aneinander vorbei gelaufen waren fuehlte ich gerade in dem Moment eine besonders starke Verbundenheit und Zusammengehoerigkeit.
Wir haben nicht viele Moebel im Haus und kaufen uns keine teuren Kleider. Es gibt nur einen uralten Fernseher aus Jons College-Zeiten und den Gas-Grill haben wir von den Vorbesitzern geerbt. Unser Geld geben wir lieber aus fuer Reisen, Marathons, Laufschuhe, teure GPS-Geraete und Pferdefutter.
Kein Zweifel, so wollen wir es und das macht uns gluecklich!

3.12.08

West Orange Trail

2.12.08

7 Wochen bis zum Marathon

Montag Morgen: Regenerationslauf 6 Meilen - Rennradtour 32.75 km in 1:21:10 - Outdoor
Montag Abend: Regenerationslauf 4 Meilen - 11.26 km in 53:02 - Outdoor
Dienstag: Mittellanger Lauf 15 Meilen - 24.19 km in 2:04:45 - Outdoor
Mittwoch Morgen: Regenerationslauf 6 Meilen - 10.96 km in 1:00:00 - Outdoor
Mittwoch Abend: Regenerationslauf 4 Meilen - Reiten - Platz
Donnerstag Morgen: Tempolauf 12 Meilen mit 7 Meilen @ 15k-Halbmarathon Renntempo - 1.8 km in 9:25 + 9.43 km in 41:38 - Suntree Turkey Trot
Donnerstag Abend: Regenerationslauf 4 Meilen - 9.67 km in 49:50 - Outdoor
Freitag Morgen: Regenerationslauf 6 Meilen - Spaziergang mit Jon 2.85 km - Outdoor
Freitag Abend: Regenerationslauf 4 Meilen - 13 km in 1:06:44 - Outdoor
Samstag: Regenerationslauf 8 Meilen - 13.12 km in 1:12:31 - Outdoor
Sonntag: Langer Lauf 24 Meilen - 42.195 km in 4:13:06 - Space Coast Marathon


Das war letzte Woche. Endlich habe ich gemacht, was ich mir schon vorletzte Woche vorgenommen hatte und die zweiten Laeufe am Tag weggelassen bzw. ersetzt. Das war schon besser so.
Am meisten Spass gemacht hat der Lauf am Montag Abend. Da bin ich mal so richtig schnell losgeflitzt ohne auf die Uhr zu schauen. Bezahlt habe ich dafuer dann am Dienstag, als die 24 km im Wickham Park einfach nicht enden wollten.
Dann stand auch schon wieder das Thanksgiving Wochenende vor der Tuer. Jon durfte am Mittwoch schon mittags nach Hause, also bin ich mit ihm mitgefahren und auf der Base gelaufen, ein Stuendchen ganz locker und gemuetlich.
Vom 10er am Donnerstag Morgen habe ich ja schon erzaehlt. Der war schon mal klasse.
Freitag und Samstag standen dann nur noch Regenerationslaeufe auf dem Plan, die ich aber doch ein bisschen zu schnell gelaufen bin bzw. mit zu hohem Puls.
Die Quittung kam dann am Sonntag beim Space Coast Marathon.

Immerhin hat der keine Nachwirkungen gezeigt. Kein Muskelkater, keine Schmerzen, alles in Butter! Mag auch an dem Eisbad gelegen haben und am Schwimmen am Montag Morgen, aber hauptsaechlich eben daran, dass ich mich eben nicht kaputt gemacht habe. Ich sag's mal so: Besser kein oder nur ein suboptimaler Trainingseffekt als ein negativer. Ausserdem habe ich mir gestern neue Schuhe gekauft, die Asics 2130. Damit gehe ich "back to the roots", denn meine ersten richtigen Laufschuhe waren deren Vorgaenger 2110, in denen ich auch meinen ersten Marathon gelaufen bin. Bei meinen ganzen Verletzung ist nun mal Schluss mit dem Experimentieren und ich bin auch restlos zufrieden. Bei meinem einstuendigen Regenerationslauf gestern Abend ging es mir so richtig gut. Wie auf Wolken mit den neuen Schuhen, keine Probleme mit Huefte, Knie oder Knoechel. Das sind einfach die richtigen Laufschuhe fuer mich!

30.11.08

Space Coast Marathon II


Ich hab's ja letztes Jahr schon mal versucht und hatte mir eigentlich geschworen, keinen Marathon mehr in Florida zu laufen.
Haette ich mich mal dran gehalten!
Aber da war dieser 38,6 km lange Lauf, der heute auf dem Programm stand und ich dachte es waere doch nett, den mit dem Marathon hier im Ort zu verbinden. Die paar extra Kilometer machen dann ja den Kohl auch nicht mehr fett. Ich wollte auch nur mein normales Langer-Lauf-Tempo laufen. Wie sich der geneigte Leser vielleicht erinnert, waren meine langen Laeufe bisher alle ziemlich gut und so war ich zuversichtlich, dass auch dieser ganz gut laufen wuerde.

Die erste Haelfte war dann auch in Ordnung. Ich lief mein geplantes Tempo, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Leider war es schwueler als den ganzen November lang und ziemlich windig. Da der Wind aus dem Sueden kam war das erste Viertel, das in Richtung Norden gelaufen wurde, besonders einfach. Dann umkehren und Richtung Sueden. Das war schon nicht mehr ganz so witzig, aber noch ok. Meile 13 widmete ich wie geplant unserem armen, verletzungsgeplagten Hasen. Das war so ziemlich die letzte gute Meile. Gut ausgesucht, Kerstin!

Hier sah ich auch zum ersten Mal Jon, der mich am Start abgeliefert hatte und dann erstmal selber laufen war, bevor er mit der Kamera bewaffnet immer wieder auf der Strecke auftauchte und ganz viele Kuesse bekam.

Dann bogen die Halbmarathonlaeufer rechts ab ins Ziel, aber die Marathonlaeufer mussten weiter nach Norden, eine weitere Stunde gegen den immer staerker werdenden Wind laufen. Die Halbmarathonmarke ueberschritt ich in 1:54:xx. Mein langsamster Halbmarathon bisher, aber noch gut in der Zeit.

Wie gesagt, ich war nun schon fast eine Stunde gegen den Wind gelaufen mit der Aussicht auf eine weitere. Nicht nur meine Kraft, auch meine Motivation liess nun immer mehr nach. Ich hatte gar keine Lust mehr zu laufen und mich hier kaputt zu machen, wo ich doch fuer Arizona fit sein will. Dass es sich um einen geplanten Trainingslauf handelte konnte ich sehr erfolgreich verdraengen.
Schon bald kamen die ersten Gehpausen, und wenn man damit erstmal anfaengt und graessliche Zahlen auf dem Forerunner sieht, ist es ganz vorbei. Ja, ich habe die zweite Haelfte noch durchgezogen und NICHT aufgegeben - das kam ja schon mal gar nicht in Frage - aber wie? Gegangen, gelaufen, gejoggt, wieder gegangen, hingesetzt, stehen geblieben. Das war der schlechteste Lauf des gesamten Trainings. Furchtbar!
Immerhin, ich war doch wirklich froh, dass es nicht mein "Hauptmarathon" war, fuer den ich monatelang trainiert habe, sondern dass ich diesen Lauf einfach unter "schnell vergessen" abhaken kann.
Und die Bilder, die Jon gemacht hat, sind auch noch ziemlich gut geworden. Man sieht schon, dass ich den Lauf nicht ernst genug genommen und mich nicht genug angestrengt habe.

Ins Ziel kam ich schliesslich nach vier Stunden und 13 Minuten. Und ich hatte gedacht, unter vier Stunden waere allemal locker drin. Aber da hatte ich wohl vergessen, dass - zumindest fuer mich - die Woerter "locker" und "Marathon" einfach nicht zusammen passen. Einen Marathon muss ich aus vollem Herzen und hoch motiviert laufen, sonst wird das nichts.

Egal, wenn wir hier ein Muster sehen - jeweils ein guter und ein schlechter Marathon im Wechsel - dann kann ich fuer Arizona ja doch noch hoffen und bin froh, dass ich den schlechten jetzt erst mal weg habe. Das wird schon wieder!
Bilder I HIER KLICKEN
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27.11.08

Sonnenbaum Truthahn Trab


Der Titel ergibt jetzt auf deutsch nicht so furchtbar viel Sinn, aber es ist ganz einfach. Suntree heisst der Ort und Turkey Trots finden am Tag des Erntedankfests (Thanksgiving, also heute) ueberall in Amerika statt, damit man sich danach ordentlich und mit weniger schlechtem Gewissen den Bauch vollschlagen kann. Das werden wir nachher auch tun, denn wir sind bei Stephanies Eltern zum Thanksgiving Dinner eingeladen. Aber vorher waren wir laufen.

Als ich diesen Lauf letzte Woche im Internet gefunden hatte war sofort klar, dass wir mitmachen wollten. Erstmal war er mit $15 billiger als sonst, dafuer gab es aber auch kein T-Shirt. Auch ein Vorteil, den unsere Schraenke sind voll mit den Dingern. Dann sollte es ein 10-km-Lauf sein, nur 25 Minuten mit dem Auto entfernt und Start erst um halb neun. Ausserdem stand bei mir ein 7 Meilen langer Tempolauf auf dem Plan. Da kommt so ein 6,2 Meilen langes Rennen am Donnerstag Morgen natuerlich gerade recht.

Na gut, 10 km sind es nicht ganz geworden, sondern laut Garmin nur 9,42. Schon der 5-km-Lauf war zu kurz, und wir mussten zwei Runden laufen. Halb so wild, denn gut gelaufen sind wir trotzdem. Das Wetter war geradezu ideal, um die 10 Grad, die Sonne kam raus und es war, im Gegensatz zur letzten Zeit, auch noch relativ windstill. Wunderbar!

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, einen 4:30er Schnitt zu laufen und konnte mich deswegen am Anfang, als alle lossprinteten wie die Wilden und ich mich freute, dass jeglicher Knieschmerz ploetzlich wie weggeblasen war, ziemlich schnell fangen und zurueckhalten. Ich spuerte gleich, dass ich heute schneller konnte, also korrigierte ich meine Strategie etwas und lief die erste Meile statt in 7:20 in 7:08, also 4:26er Schnitt. Es fuehlte sich fast laecherlich einfach an, aber ich wusste, dass 10 km ganz schoen lang sein koennen, wenn man am Anfang zu schnell losrennt.
Nach der ersten Meile fing ich dann auch gleich mit dem Ueberholen an, nur ein Mann lief die ganze Zeit immer vor mir her und ich konnte mich wunderbar anhaengen. Hatte ich also meinen Pacer gefunden.

Meile 2 lief ich in 7:05 (4:24er Schnitt), immer noch einfach und das, obwohl es auf der Haelfte Wasser gab und ich dadurch ein paar Sekunden "verlor". Bzw. nicht verlor, denn Trinken ist immer eine gute Idee. Damit war das erste Drittel geschafft und ich konnte diese Dame im Triathlon-Shirt ueberholen, die ich schon mal bei einem Rennen abgehaengt hatte und die ihre Arme hochgezogen an den Koerper gepresst haelt, sodass ich immer versucht bin was zu sagen. Ohne die Arme mitzuschwingen kann das doch nichts werden!

Das hab ich gleich ganz am Anfang von Jon gelernt und dieser Tipp hat mir schon oft geholfen. Am Wendepunkt nach 3 Meilen (7:07 oder 4:25er Schnitt) lief sie dann aber auch gleich in den Zielkanal. 10 km waren ihr wohl zuviel. Ich musste dagegen die selbe Runde noch mal. Jon hatte einen guten Vorsprung und nun wurde auch offensichtlich, wie wenig Laeufer sich fuer die "lange" Strecke angemeldet hatten. Natuerlich war unser lokaler Ultralaeufer dabei, den Jon auch diesmal nicht einholen konnte - ich glaube, ich habe ihn auch erst ein- oder zweimal besiegt - aber die fuer meisten war das Rennen gelaufen.

Eine weitere Meile konnte ich noch in Ruhe und ungestoert hinter mich bringen (7:08 oder 4:26er Schnitt), bevor ich von hinten auf die ersten 5-km-Walker und Jogger auflief, die gerade mit ihrer ersten Meile fertig waren.

Na toll, diese Menschen halten nichts davon, sich am Rand zu halten und vielleicht mal Platz zu machen. Nun begann ein froehliches Slalom-Laufen, das doch ziemlich an meinen Nerven zerrte. Nicht nur, dass ich immer wieder "Platz da! (Get out the way!)" bruellen musste - was meist sowieso nicht half und ich die Leute doch wieder umrunden musste - ich finde es auch nie besonders motivierend, wenn ich alles gebe und um mich herum spazieren gegangen und getratscht wird. Vor zwei Jahren in Kalifornien haben wir bei einer aehnlichen Gelegenheit mitbekommen, wie eine 5-km-Walkerin von der Strecke aus mit dem Handy Pizza bestellt hat. Kann man damit nicht warten bis das "Rennen" vorbei ist? Und es ist ja auch nicht so, dass ich keine Walker oder Jogger mag, aber koennen die nicht ein bisschen mehr Ruecksicht nehmen? Wahrscheinlich denken die sich sowieso, "die ist ja viel sportlicher als ich, soll sie doch den Umweg machen". Jedenfall war Meile 5, die bei einem 10er sowieso die schlimmste ist, mit 7:12 (4:28er Schnitt) etwas langsamer als geplant, aber es gab ja auch wieder Wasser und den Wendepunkt.

Nun aber flott ins Ziel und die verlorenen Sekunden aufholen (1,38 km in 5:55 oder 4:18er Schnitt)! Mein Pacer dachte sich wohl das selbe und so gaben wir noch mal richtig Gas. Keine Chance, noch zu ihm aufzuschliessen oder zu der anderen Frau, die noch vor mir war.

Was fuer ein toller Lauf! Da die Strecke ueber einen halben Kilometer zu kurz war, kann ich die 41:38 natuerlich leider nicht als neue Bestzeit gelten lassen, obwohl es natuerlich schon nett aussaehe.
Aber auch die hochgerechnete Zeit (10 km im 4:25er Schnitt waeren 44:13) kann sich ganz gut sehen lassen. Das ist zwar keine neue Bestzeit, aber doch ziemlich nah dran (meine 42:45 waren auch zu kurz, meine echte PB ist 44:09 beim Suncoast Classic 10k). Dazu kam ja noch, dass die letzte angebrochene Meile diesmal die schnellste war und wer weiss, vielleicht waere sogar eine noch schnellere Zeit rausgekommen.

Das Wichtigste war fuer mich aber, dass es ein wirklich guter Lauf war, so ziemlich der Beste seit meiner Verletzung im Mai. Es hat Spass gemacht, auch wenn es am Ende hart wurde. Aber nicht so hart, dass ich aufgegeben haette wie beim letzten Mal. Ich dachte immer, ich mag keine 10er. Doch das war nun schon der zweite, bei dem ich meine Pacing-Strategie einhalten konnte und viel Freude am Laufen hatte. So schlecht sind die naemlich gar nicht!

Und nun bin ich mal gespannt auf den Space Coast Marathon am Sonntag. Auch fuer diesen Lauf habe ich mir eine Strategie ausgedacht, damit ich ihn ja nicht zu schnell laufe sondern als reinen langen Trainingslauf. Der faengt um 6 Uhr morgens an. Das finde ich eigentlich sowieso zu frueh!

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